Klimaschutz auf dem Teller: Das Projekt Ecopreis an der Burghalde
Klimaschutz auf dem Teller – geht das überhaupt bei Jugendlichen, deren Essenswahl oft von Spontaneität und Vorlieben geprägt ist? Das Pilotprojekt «Ecopreis an der Burghalde» hat gezeigt: Ja, es funktioniert! Ganz im Sinne des Jahresmottos «Entdecken, Erfahren, Entwickeln» hat die Schule Burghalde gemeinsam mit der ZHAW, der Stadt Baden und der SV Group über sechs Wochen hinweg untersucht, wie nachhaltige Ernährung attraktiv gemacht werden kann.
Preisvorteil und Transparenz
Die Idee war simpel: Die klimafreundliche, vegetarisch-vegane Menülinie HIT wurde um 1.50 CHF vergünstigt. Gleichzeitig führten wir den ECO-SCORE® ein – ein Ampelsystem von A+ bis E, das auf einen Blick zeigt, wie umweltfreundlich ein Gericht ist. Begleitet wurde das Ganze durch Unterrichtseinheiten im Fach Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (WAH), in denen unsere Schüler:innen lernten, was Ernährung mit Umwelt und Klima zu tun hat.
Die Ergebnisse: Verschiebungen in der Menüwahl
Die Auswertung der Verkaufsdaten zeigt, dass unsere Schüler:innen bereit für Veränderung sind:
- Nachhaltigkeit ist gefragt: Der Verkaufsanteil der umweltfreundlicheren Menülinie HIT sowie der ebenfalls vegetarisch geprägten Linie s’Zwei nahm bei den Schüler:innen im Vergleich zu einer Referenzphase von 13% auf 17% und von 24% auf 28% zu.
- Bye-bye, Schnitzel: Besonders stark reduzierte sich die Nachfrage nach dem «Renner»-Menü, bestehend aus Schnitzel und Pommes, nämlich von 19% auf 13%. Spannend dabei: Der Renner war durchgehend mit einem orangefarbenen D+ gekennzeichnet, was die Jugendlichen offenbar zum Umdenken bewegte.
- Pommes-Pause: Der Verkauf von separaten Portionen Pommes Frites brach um 37 % ein. Die Preisdifferenz zur Menülinie hatte sich verkleinert und dadurch wurden die Menüs attraktiver. Eine Verschiebung, die auch aus gesundheitlicher Sicht positiv zu bewerten ist.
Der ökologische Fussabdruck der Mensa hat sich in der Testphase messbar verbessert. Die Treibhausgasemissionen pro Menü sanken um rund 5 %. Zudem verbesserte sich auch die allgemeine Umweltbilanz. Zudem besteht Luft nach oben: Das HIT-Menü war an verschiedenen Tagen schnell ausverkauft – es besteht also noch mehr Potenzial für Verschiebungen.
Wie geht es weiter? Unsere Empfehlungen
Das Projekt liefert uns wertvolle Erkenntnisse für die Zukunft. Die wichtigsten Empfehlungen aus dem Projekt sind:
- Preise als Hebel nutzen: Finanzielle Anreize helfen dabei, die Preisdifferenz zwischen weniger umweltfreundlichen und nachhaltigen Optionen zu schliessen.
- Transparenz schaffen: Der ECO-SCORE® könnte als dauerhafter Wegweiser in der Mensa verankert werden.
- Angebot ausbauen: Idealerweise werden noch mehr attraktive, proteinreiche vegetarische und vegane Gerichte entwickelt, die nicht nur dem Klima, sondern auch dem Gaumen schmeicheln.
Nachhaltigkeit fächerübergreifend lehren: Das Thema nachhaltige Ernährung kann sehr gut fächerübergreifend im Unterricht verankert werden, um das Umweltbewusstsein der Jugendlichen langfristig und über den Mensateller hinaus zu stärken.
Ein Blick in die Zukunft: Bereits steht fest, dass die SV Group den ECO-SCORE® in Kürze permanent in unserer Mensa einführen wird, damit die Orientierungshilfe dauerhaft bestehen bleibt. Zudem dient der jetzt vorliegende Projektbericht als zentrale Grundlage für zukünftige Ausschreibungen der Stadt Baden, um Nachhaltigkeit langfristig als Standard zu etablieren.
Wir danken allen Beteiligten, die dieses Projekt unterstützt haben. Gemeinsam haben wir gezeigt, dass Genuss und Verantwortung hervorragend auf einen Teller passen.
Beitrag von Dr. Annette Jenny, Dozentin Forschungsgruppe Nachhaltigkeitskommunikation und Umweltbildung