Die Sicherheitsmassnahmen

Am 16. Dezember 2025 war es endlich so weit: wir, die SchülerInnen der Klassen B3g und B3h, Frau Gantenbein, Frau Kim, Herr Wisler und Herr Di Sannio, durften den Sitz von Regierung und Parlament der Schweizerischen Eidgenossenschaft besichtigen gehen. Wie die PolitikerInnen hatten auch wir das Gebäude über den Hintereingang zu betreten, welcher sich an der Südfassade befindet und von der Polizei (Fedpol) durchgehend bewacht wird. Da man ohne gültigen Ausweis eigentlich nicht hineindarf, befürchteten die Lehrpersonen schon, dass die Jugendlichen, welche ihre Dokumente zu Hause vergessen hatten, gezwungen wären, draussen zu warten. Glücklicherweise wurde am Ende auch denjenigen der Zutritt gewährt, die ihre Papiere nicht auf sich trugen. Nach der Eingangskontrolle mussten wir einen Metalldetektor passieren und unsere Taschen wurden durchleuchtet, daraufhin konnten wir unsere Jacken in der Garderobe deponieren. Neben unseren beiden Klassen waren noch weitere BesucherInnen anwesend, die gespannt darauf warteten, das Innere des Bauwerkes zu sehen.

87bc986b c1c6 4319 a486 24485966417d

Führungen durch das Bundeshaus

In der sessionsfreien Zeit steht das Bundeshaus interessierten Besuchern offen; es werden regelmässig kostenfreie Führungen für Einzelpersonen und Gruppen angeboten, die 60 Minuten dauern. Wir hatten zunächst die Möglichkeit, klassenweise für jeweils 20 Minuten im National- und im Ständerat reinzuschauen. HörerInnen können in beiden Kammern die Debatten von den Zuschauerrängen aus mitverfolgen. Kleiner Fun Fact: die eigentlichen Auseinandersetzungen erfolgen in kleineren Ausschüssen des Parlaments, den sogenannten «Kommissionen». Bevor ein Geschäft in den Rat kommt, haben die Mitglieder dieser Kommissionen bereits vertraulich darüber verhandelt, was bedeutet, dass die öffentliche Diskussion vor allem der medialen Berichterstattung durch Fernsehen, Zeitungen und Radio dient. Auch hier sorgt die Polizei für Ruhe und Ordnung.

Die Traktanden vom 16. Dezember 2025

Doch worum ging es gerade, als wir den Politikern über die Schulter schauen durften? In der Volkskammer stand eine Gesetzesänderung zum Umgang mit hoch verschuldeten Personen zur Debatte. Der Bundesrat hatte sich für ein neues Nachlass- sowie für ein neues Sanierungskonkursverfahren ausgesprochen. (Zwei komplizierte Begriffe – vereinfacht gesagt ging es um die Frage, wie man zahlungsunfähigen Leuten, also Personen, die ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können, durch einen Forderungsverzicht den Weg aus den Schulden ebnen kann). Schliesslich wurde die Vorlage vom Nationalrat deutlich angenommen. Im «Stöckli» stand eine Vorlage des Bundesrats auf dem Prüfstand, welche eine Zwangshaftung für Hauseigentümer bei schweren Erdbeben vorsah. Inhaber von Gebäuden sollten demnach im Falle einer solchen Naturkatastrophe zu einer einmaligen Prämienzahlung (von höchstens 0.7 Prozent des Versicherungswertes der Immobilie) verpflichtet werden. Diese finanzielle Vorsorgelösung wurde jedoch vom Ständerat mit einer knappen Mehrheit verworfen.

Eigentlich sollte im Nationalrat für Aussenstehende eine Simultanübersetzung vorhanden sein, doch bedauerlicherweise wurden die französischen Beiträge der welschen PolitikerInnen nicht für uns ins Deutsche übertragen, respektive es gab keine Kopfhörer, um den Dolmetschern zu lauschen. Als Hörübung war es gewiss spannend, die Reden der Volksvertreter aus der Romandie, welche jeweils mehrere Minuten dauerten, live mitzuverfolgen, doch bei all den Fachbegriffen aus dem Finanzwesen war es nicht gerade leicht, die Positionen der einzelnen Abgeordneten zu verstehen. Dazu noch ein zweiter Fun Fact: anders als im Nationalrat gibt es im Ständerat keinen Übersetzungsservice für die Mitglieder, da von den gestandenen Persönlichkeiten solide Deutsch- und Französischkenntnisse erwartet werden.

Wie viel verdienen Nationalräte?

Nachdem wir einen Einblick in die National- und Ständeratssitzungen erhalten hatten, stand ein Treffen mit den Nationalräten Irène Kähli (Grüne) und Thomas Burgherr (SVP) auf dem Programm. Dazu hatten wir uns im Vorfeld ein paar Fragen überlegt. Leider konnten Frau Kähli und Herr Burgherr den geplanten Termin nicht wahrnehmen, da sie sich für die bevorstehende Abstimmung bereithalten mussten und folglich keine Zeit für unsere Interviews hatten. Nach einer kürzeren Wartezeit ging es wieder klassenweise mit einer kleinen Führung durch das Parlamentsgebäude weiter, wobei wir auch die eine oder andere Frage stellen konnten. Natürlich kamen wir auf die Gehälter der ParlamentarierInnen zu sprechen. Wer dem Nationalrat angehört, erhält jährlich eine steuerfreie Entschädigung von CHF 33’000. Dazu kommen ein Jahreseinkommen von CHF 26’000 und bei Anwesenheit im Rat oder in den Kommissionen ein Taggeld von CHF 440. Je nachdem, wie oft ein Ratsmitglied an Sitzungen teilnimmt, ergibt sich also eine Besoldung von etwa CHF 120’000 – 150’000 pro Jahr. Dritter Fun Fact: die ParlamentarierInnen erhalten obendrauf das GA der SBB für die 1. Klasse gratis, pro Sitzungstag CHF 115 für Verpflegung, CHF 180 für die Hotelübernachtung sowie weitere Vergütungen. Auch diese Spesenentschädigungen sind wohlgemerkt nicht abgabepflichtig. Gerechtfertigt wird diese doch recht lukrative Bezahlung übrigens damit, dass sie die PolitikerInnen davor bewahren soll, der Korruption zu verfallen.

Ein paar Worte zum Gebäude

Über das Bundeshaus selbst wurde uns erzählt, dass das Bauwerk von 1894 bis 1902 unter der Leitung des Schweizer Architekten Hans Wilhelm Auer errichtet wurde. Identitätsstiftung war Auer ein Anliegen, das heisst alle Regionen der Schweiz sollten in dem Gebäude gleichmässig repräsentiert sein, um ein Gefühl von Zusammengehörigkeit zu schaffen. Die Kuppelhalle, welche sich zwischen beiden Sälen der Bundesversammlung befindet, enthält daher viele symbolische Darstellungen zur Geschichte der Eidgenossenschaft. Bei der Glaskuppel sind etwa die Schweizerflagge, die Wappen der einzelnen Kantone sowie der lateinische Wahlspruch unus pro omnibus, omnes pro uno!, also «Einer für alle, alle für einen!» zu sehen. Als wir unter der Kuppel waren, hatten wir erfreulicherweise doch noch die Gelegenheit, schnell ein paar Fragen an Frau Kähli und Herrn Burgherr zu richten.

Fazit

Die Besichtigung des Bundeshauses hat uns einen hautnahen Einblick in die Gesetzgebung unseres Landes gewährt. Die Exkursion war aber nicht nur politisch lehrreich, sondern sie hat auch interessante Begegnungen mit fremden Menschen ermöglicht. Die gesammelten Eindrücke werden uns bestimmt lange in Erinnerung bleiben und wer weiss, vielleicht hat jemand sogar seine Berufung gefunden, selbst politisch aktiv zu werden.

Beitrag von Fabio Di Sannio, Fachlehrperson Burghalde 1

Teilen