Nach intensiver Auseinandersetzung mit den Themen Liebe in der Literatur und verschiedenen Arten von Medien wagten sich drei Klassen der Bezirksschule Baden an ein besonderes Experiment: Am regnerischen Novembersamstag besuchten sie die Premiere der Oper Carmen von Georges Bizet im Kurtheater Baden – inszeniert vom Verein boxopera. Ihre Eindrücke hielten sie später in persönlichen Reportagen fest. Aus diesen Stimmen entsteht ein vielschichtiges Bild eines Abends voller Emotionen.

Das Kurtheater ist eine andere Welt

«Für zwei Stunden fühlte sich das Kurtheater Baden wie eine andere Welt an», schreibt Mick. Schon das Ambiente beeindruckt: «Die alten Holzstühle mit ihrem roten Polster und der Parkettboden waren zusammen eine Kombination, die einem das Gefühl gaben, man befindet sich im Palast der Royals» (Luc). Und Miles ergänzt: «Die Polster waren so weich wie die Hände eines Babys.»

«Im Foyer herrschte geschäftiges Treiben, neugierige Gesichter überall.» (Ella) «Der rote Samtvorhang hängt, als würde er ein grosses Geheimnis bewachen» (Bilal). Yara beobachtet: «Meine Blicke schweifen über die vielen Glatzen und weissen Haare, die sich vor mir aufreihen.»

Momente der Intensität

«Die Lichter werden nochmals dunkel und alle sind mucksmäuschenstill.» (Thomas) «Im Moment, als es passiert, bin ich mir fast sicher, dass man eine Stecknadel hören könnte, wenn sie auf den Boden fallen würde» (Joshua).

 «Ein warmer Lichtschein fällt auf die Bühne. Dann erklingen die ersten kräftigen Töne des achtköpfigen Orchesters» (Justine). Mina beschreibt poetisch: «Die ersten Saitentöne sprühen Farbklekse und Emotionen auf das Bühnengeschehen und lassen die Stimme von Carmen erstrahlen.» Daria spürt: «Sanft und zugleich stark hallt die Musik in den Ohren wider.» Und Henry fügt in der Pause an: «Ich merke, dass ich fast ein wenig erschöpft bin, weil Oper nicht wie Netflix ist».

Regula 1

Carmen – Liebe, Freiheit, Obsession

«Als sich die Vorhänge öffnen, sieht man eine Reihe von Gitterstäben, die den Raum zweiteilen. Sie deuten ein Gefängnis an.» (Sasha).

Als Carmen in ihrem roten Kleid erscheint, ist die Bühne elektrisiert. «Als junge, selbstbewusste Frau ist ihr Auftritt von einer unwiderstehlichen und starken Präsenz begleitet» (Niklas). Jara beobachtet: «Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass die Bühne, die Musik und die Kostüme perfekt miteinander harmonieren.» Und Adriano schildert: «Don José und Carmen, ihr körperlicher Kontrast erschüttert die Bühne.»

Lynn erkennt den Wendepunkt: «Sie wirft Don José eine Blume hin – der Beginn einer totalen Obsession.» Hanna fasst die Tragik zusammen: «… aber Don José gibt nicht auf, er bettelt, er fleht – aber sie bleibt stur.» Alexandra fragt sich: «Wie könnte er die freiheitsliebende, attraktive Zigeunerin jemals vergessen?» Und Marina beschreibt: «Dann steht sie auf und läuft davon, mit der Freiheit eines fliegenden Vogels.»

Der Applaus und die Nacht

«Die Menschen erheben sich zum Applaus, klatschen und pfeifen, bis wir den Saal verlassen, ich durch die Tür hinaustrete in die Dunkelheit, umhüllt von einem leichten Geruch nach Rauch und der tropfnassen Strasse unter meinen Füssen» (Mina). Paula spürt die Dankbarkeit: «Sie klatschen so fest in die Hände, als wollten sie den Schauspieler*innen etwas zurückgeben.»

Fazit

Die Premiere von Carmen war für die Schüler mehr als ein Theaterbesuch: Sie erlebten, wie Liebe, Freiheit und Leidenschaft auf der Bühne lebendig werden – und wie sich diese Eindrücke in Sprache und Musik verwandeln lassen. Die Oper ist ein absolutes Spektakel, fand Nele. Ihre Reportagen zeigen: Oper ist kein verstaubtes Relikt, sondern ein zeitloses Erlebnis, das berührt und inspiriert.

Regula 3

Beitrag von Regula Bouvard für die B2c/B2d/B2h

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