
Mosten auf dem Bauernhof
Im Herbst beschäftigte sich die Klasse 2a im Fach NMG mit dem Thema Apfel. Nach dem Aufschneiden der Äpfel, dem Untersuchen der Kerngehäuse, dem Zählen der Kerne, dem Backen von Apfeljalousien und dem Betrachten des Apfelbaums im Jahresverlauf usw. fuhren wir mit dem Bus nach Niederrohrdorf auf den Bauernhof «agrino». Unser Ziel war das Mosten. Dabei erlebten wir aber noch vieles mehr.
Zuerst mussten die Äpfel auf der Wiese aufgelesen werden. Eigentlich waren das keine schönen Äpfel. Aber die Bäuerin Frau Peterhans hat uns gezeigt, dass das nicht wichtig ist und auch keine Rolle spielt, wenn die Äpfel ein paar Flecken und Dellen haben. Nur die faulen Äpfel haben wir aussortiert. Anschliessend haben wir die Äpfel abgespritzt und gesäubert.
Die Obstmühle und die Apfelpresse standen bereit und wir haben die Äpfel zuerst geraffelt. Die gefüllte Presse haben wir verschlossen. Dann musste jedes Kind eine Runde mit dem Hebelarm drehen und bereits lief der Saft aus der Presse. Natürlich haben wir den Saft sofort probiert. Er war sehr süss und fein. Zum Schluss haben wir mit aller Kraft zu dritt, zu viert nochmals eine Runde gedreht und versucht, die letzten Tropfen auszupressen. Nach dem Öffnen der Presse haben wir den ausgepressten «Apfelkuchen» für die Kühe beiseitegelegt und den Most in einen Krug abgefüllt.
Die Kühe warteten darauf, um von uns auf die Weide gelassen zu werden. Mit Futter konnten wir die Kälbchen anlocken und streicheln. Das Füttern mit der Hand brauchte ein wenig Mut und das Spüren der rauen Zunge der Kühe und Kälbchen fühlte sich komisch an.
Beim Schubkarrenrennen durfte der Apfel (Tennisball) nicht aus der Schubkarre fallen. Später machten wir auch noch Wettrennen mit Spieltraktoren. Die waren nicht so gross, wie die beiden richtigen, auf die wir auch klettern durften. Viele Kinder sind in einen Heuhaufen gesprungen und haben ein Heubad genommen. Das feine Znüni schmeckte super und das Beste daran war natürlich unser frisch gepresster Apfelsaft!
Der Morgen auf dem Bauernhof hat uns allen sehr viel Spass bereitet und wir freuen uns schon auf ein nächstes Mal.


In, mit und an der «Welt» lernen
Solche originale Begegnungen wie das Mosten auf dem Bauernhof sind unverzichtbar, um Kompetenzen zu fördern, die über reines Faktenwissen hinausgehen. Sie ermöglichen Kindern, die Welt nicht nur kognitiv zu verstehen, sondern sich in ihr auch selbstwirksam und verantwortungsvoll zu bewegen. Das Zusammenspiel zwischen den Lernaktivitäten im Schulhaus und den Erfahrungen auf dem Bauernhof steht ganz im Sinne eines kompetenzorientierten Unterrichts.
Der Aargauer Lehrplan formuliert im Fachbereich NMG (Natur, Mensch, Gesellschaft) entsprechend dazu vier grundlegende Handlungsaspekte:
Die Welt wahrnehmen
(dazugehörige Denk-, Arbeits- und Handlungsweisen: z.B. erfahren, betrachten, beobachten, erkennen, beschreiben)
Beim Mosten erfuhren die Kinder, wie Äpfel zu Saft verarbeitet werden, indem sie alle Schritte selbst ausprobierten: vom Sammeln und Säubern über das Raffeln bis zum Drehen des Hebelarms.
Sich die Welt erschließen
(dazugehörige Denk-, Arbeits- und Handlungsweisen: z.B. fragen, untersuchen, vermuten, erkunden, sich informieren, experimentieren, dokumentieren, usw.)
In der Schule haben die Schülerinnen und Schüler den Apfel aufgeschnitten und das Kerngehäuse genau untersucht und dokumentiert.
Sich in der Welt orientieren
(dazugehörige Denk-, Arbeits- und Handlungsweisen: z.B. ordnen, vergleichen, benennen, erklären, analysieren, modellieren, usw.)
Die Schülerinnen und Schüler lernten den Apfelbaum im Jahreslauf kennen und zu beschreiben und konnten die Aktivität des «Mostens» in den Jahresverlauf einordnen.
In der Welt handeln
(dazugehörige Denk-, Arbeits- und Handlungsweisen: z.B. mitteilen, umsetzen, sich engagieren, entwickeln, usw.)
Die Kinder haben ihren eigenen Apfelsaft «produziert» und dabei Entscheidungen getroffen, z. B. welche Äpfel aussortiert werden müssen.
Beitrag von Cécile Gysin, Klassenlehrerin 2a und der Schulleitung Tannegg