Was tun, wenn eine Prüfung ansteht, aber der Lernstoff unübersichtlich erscheint? Oder wenn unklar ist, welche Aufgaben wirklich erledigt werden müssen? Viele Schülerinnen und Schüler stehen regelmässig vor diesen Herausforderungen – und genau hier setzt das Lerncoaching an. Statt blosser Nachhilfe geht es darum, Strategien zu entwickeln, mit denen die Jugendlichen ihre Zeit sinnvoll einteilen, Lernziele verstehen und eigene Wege finden, sich auf Prüfungen vorzubereiten. Ein Blick in den Alltag einer Lerncoaching-Stunde zeigt, wie unterschiedlich die Ausgangslagen sind, warum Selbstorganisation eine Schlüsselkompetenz für erfolgreiches Lernen ist und wie dieser Prozess abläuft.

Montagnachmittag, Lerncoaching-Stunde. Die Tür geht auf, Schüler A kommt herein, setzt sich an einen Tisch und packt sein Material aus.

Schüler A: „Ich muss heute RZG lernen, wir haben eine Prüfung.“
Lehrperson: „Gut, hast du deine Unterlagen und die Lernziele dabei?“
Schüler A: „Ja.“

Er schlägt sein Heft auf und beginnt konzentriert zu arbeiten. Ein vielversprechender Start. Doch dann kommt Schülerin B herein – mit deutlich weniger Elan.

Schülerin B: „Ich habe keine Hausaufgaben! Darf ich wieder gehen?“
Lehrperson: „Sicher, dass du nichts zu tun hast? Keine Prüfung, keine Vokabeln zum Wiederholen?“
Schülerin B: „Nö, echt nicht.“
Schülerin C (von hinten): „Hä? Doch, wir haben voll viele Französischaufgaben!“
Schülerin B (nach kurzem Nachdenken): „Ach ja, stimmt. Vielleicht sollte ich doch Französisch machen.“

Und genau darum geht es im Lerncoaching: Schülerinnen und Schüler lernen, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen, Aufgaben zu priorisieren und Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen. Manche kommen mit einer klaren Vorstellung, andere müssen erst herausfinden, was ansteht. Doch die Fragen, die sie mitbringen, ähneln sich oft:

  • Wie teile ich meine Lernzeit clever ein?
  • Wie verstehe ich die Lernziele richtig?
  • Was wird bei den Hausaufgaben tatsächlich verlangt?
  • Welche Methode hilft mir am besten, mich auf eine Prüfung vorzubereiten?

Nicht jede Lehrperson legt auf dieselben Dinge Wert – das erleben die Jugendlichen tagtäglich. Während eine Lehrperson Struktur und Gründlichkeit erwartet, zählt für eine andere Kreativität und Eigeninitiative. Deshalb ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, sich auf verschiedene Anforderungen einzustellen und eine für sie passende Lernstrategie zu entwickeln.

Lerncoaching ist kein Nachhilfeunterricht, sondern eine Trainingszone für selbstständiges Arbeiten. Die Jugendlichen sollen lernen, sich nicht nur auf Anweisungen von aussen zu verlassen, sondern aktiv nach Lösungen zu suchen, Methoden auszuprobieren und herauszufinden, was für sie funktioniert. Denn wer weiss, wie er oder sie am besten lernt, hat nicht nur in der Schule, sondern auch im späteren Leben einen entscheidenden Vorteil

Bericht von: Laura Zurfluh, Lehrperson Sek I Standort Turgi, Textmitarbeit Sarah Keller, Schulleitung Sek I

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