Lange Zeit verband man den Begriff des Lernens vor allem mit den Hauptakteuren der Schule: den Schülerinnen und Schülern. An zeitgemässen Schulen entwickeln sich jedoch alle Beteiligten und auch die Organisation als Ganzes weiter – von den Lehrpersonen und Mitarbeitenden über die Schulleitung bis hin zur Verwaltung. Dieses organisationale Lernen wird unter dem Begriff Schulentwicklung zusammengefasst. In diesem Beitrag möchten wir am Beispiel der Erarbeitung der Mehrjahresplanung für die Schule Tannegg aufzeigen, wie eine Schule ihre Entwicklungsvorhaben definiert und strukturiert. 

Warum ist es wichtig, dass sich Schulen weiterentwickeln?

Zunächst wollen wir kurz darlegen, warum Schulentwicklung notwendig ist – Warum müssen sich auch Schulen ständig weiterentwickeln? 

Schulentwicklung ist ein essenzieller Prozess, der darauf abzielt, die Qualität von Bildungseinrichtungen kontinuierlich zu verbessern und sie zukunftsfähig zu machen. In einer sich schnell wandelnden Gesellschaft ist es unerlässlich, dass Schulen sich den neuen Anforderungen anpassen. Dazu gehört nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern auch die Förderung digitaler Kompetenzen, sozialer Fähigkeiten und des kritischen Denkens, um Schülerinnen und Schüler optimal auf das Leben in einer zunehmend vernetzten und globalisierten Welt vorzubereiten. 

Ein wesentlicher Bestandteil der Schulentwicklung ist die Verbesserung des Unterrichts. Durch den Einsatz innovativer Lehrmethoden und pädagogischer Konzepte können Lehrpersonen den Unterricht abwechslungsreicher und schülerzentrierter gestalten. Gleichzeitig bietet die Schulentwicklung den Lehrpersonen selbst die Möglichkeit, sich fortzubilden und neue Ansätze auszuprobieren, was wiederum dem Lernen der Kinder dient. 

Auch bildungspolitische Entscheide bedingen Schulentwicklung. Das öffentliche Schulsystem ist in einem föderalen Mehrebenensystem organisiert, das die Bildungspolitik und -verwaltung (Makroebene), die Einzelschulen (Mesoebene) sowie den Unterricht und ausserunterrichtliche Angebote (Mikroebene) umfasst. Zwischen diesen Ebenen bedarf es einer kontinuierlichen «Übersetzungsarbeit», um Vorgaben an lokale Bedingungen anzupassen. 

Mehrjahresplanung als Wegweiser für die nächsten vier Jahre für komplexe Entwicklungsvorhaben

An der Volksschule Baden erstellen die einzelnen Schulstandorte auf Basis strategischer Ziele sogenannte Mehrjahresplanungen. Diese umfassen einen Zeitraum von vier Jahren und definieren operative Ziele mit passenden Indikatoren, Verantwortlichkeiten und Evaluationsinstrumenten. 

Obwohl sich die Welt und das schulische Umfeld rasant verändern, bleibt die Mehrjahresplanung ein wertvolles Instrument. Sie hilft dabei, langfristige und komplexe Entwicklungsvorhaben im Blick zu behalten und verhindert, dass man sich in einer Vielzahl von Themen und «Baustellen» verliert. 

Die strategischen Ziele der Volksschule Baden für den Zeitraum 2024–2028: 

  • Die VSB zeichnet sich durch eine Kultur der «offenen Türen» aus. 
  • Die VSB ist eine attraktive Arbeitgeberin, bei der die Bedürfnisse der Mitarbeitenden und der Bedarf der Schule im Einklang stehen. 
  • Die Mitarbeitenden der VSB sind auf verschiedenen Ebenen vernetzt und bleiben so über Trends und Entwicklungen informiert. 
  • Interessen und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler leiten das Handeln der Mitarbeitenden der VSB. 
  • Formelle und informelle Bildung verbinden sich zu einem gemeinsamen Lebensraum. 

Prozessgestaltung der Mehrjahresplanung im Schulhaus Tannegg

Mehrjahresplanung Tannegg

Schulentwicklung gelingt, wenn Betroffene zu Beteiligten werden – das gilt auch bei der Erarbeitung einer Mehrjahresplanung. Im ersten Schritt wurden die Lehrpersonen zu verschiedenen Themen befragt: 

  • Tannegg-Kultur: Was schätzen wir am Bestehenden? 
  • Vision: Wie stellen wir uns die Schule der Zukunft vor? 
  • Innovationen: Welche Ansätze oder Formen an anderen Schulen finden wir inspirierend? 

Zusätzlich flossen die Ergebnisse einer Elternbefragung als wichtige Datengrundlage ein. 

Mithilfe digitaler Tools wurden die Ergebnisse dieser Befragungen verdichtet und von der Schulleitung den drei zentralen Elementen von Schulentwicklung zugeordnet: 

  • Organisationsentwicklung 
  • Personalentwicklung 
  • Unterrichtsentwicklung 

Die Bedürfnisse der Schule Tannegg – bestehend aus Bewährtem und gewünschten Veränderungen – wurden mit den strategischen Zielen der Volksschule Baden abgeglichen. Auf dieser Basis formulierte die Schulleitung konkrete operative Ziele. 

Ein erster Entwurf der Mehrjahresplanung wurde der Steuergruppe und dem Lehrpersonenteam vorgelegt. Alle hatten die Möglichkeit, Ziele, Indikatoren und Evaluationsmassnahmen zu ergänzen, zu streichen oder zu konkretisieren. Nach dieser Rückmelderunde wurde die Planung bereinigt und finalisiert. 

Anschliessend erstellte die Schulleitung eine zeitliche Umsetzungsplanung, um die verschiedenen Schulentwicklungsvorhaben über die kommenden vier Jahre hinweg gut zu koordinieren. Jedes operative Ziel erfordert wiederum eine sorgfältige Prozessgestaltung, die von der Planung der Massnahmen über die Entwicklung von Prototypen bis hin zur Implementierung der Entwicklung reicht. 

Beitrag von Alexandra Wiegand und Daniel Jeseneg, Schulleitung Tannegg

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