Vom 2. bis 5. Juni 2024 reiste eine Delegation der Geschäftsleitung der Volksschule Baden nach Hannover. Anlass war die Überführung der Tagesstrukturen in die Volksschule. Im Mittelpunkt stand die Frage: Was bedeutet es, wenn Schule und Betreuung Hand in Hand unter einem Dach arbeiten? Die Reise diente dazu, wertvolle Impulse für dieses Herausforderung zu gewinnen.

In Hannover erhielten die Badener Schulleitenden Einblicke in Schulen, die neben dem Unterrichtsbetrieb eine schulintegrierte Betreuung anbieten. Im Fokus stand die Verzahnung von Unterricht und Betreuung. Die Einblicke zeigten, dass die Umsetzungspraktiken je nach Voraussetzungen der Schulen stark variierten, vor allem je nachdem, ob es sich um gebundene, teilgebundene oder offene Ganztagsschulen handelte. An gebundenen Ganztagsschulen besuchen alle Schülerinnen und Schüler die Betreuung, während sie an teilgebundenen Ganztagsschulen teilweise verpflichtend und an offenen Ganztagsschulen freiwillig ist. Obwohl Unterricht und Betreuung an den besuchten Schulen nahtlos ineinander übergehen, wird das Betreuungsangebot meist von externen Organisationen gestellt. Diese sind verantwortlich für Mittagstisch, Lern- und Übungszeiten, Erholungsphasen sowie Arbeitsgruppenangebote wie Sport und Workshops. Das Personal für die Betreuung – darunter Erzieherinnen, Studierende und Mitarbeitende mit pädagogischem Hintergrund – wird ebenfalls von den externen Trägern gestellt.

Das Zusammenspiel von Unterricht und Betreuung

Die Forschung (z.B. StEG-Studie) zeigt, dass Ganztagsschulen in Deutschland, bei qualitativ guter Umsetzung, die psychosoziale Entwicklung (Sozialverhalten, Motivation, Selbstbild) der Kinder fördern, aber keinen messbaren Effekt auf die fachliche Leistung haben. Betreuung sollte daher nicht als Fortsetzung des Unterrichts verstanden werden, sondern als eigenständiger Raum für erweitertes Lernen. Wichtig für die Qualität des Zusammenspiels ist, dass Unterricht und Betreuung gut rhythmisiert sind (z.B. durch Erholungsphasen), eine gemeinsame Haltung thematisiert und regelmässige Austauschrunden zwischen Lehrpersonen und Betreuungspersonal stattfinden. Auch ein einheitlicher Umgang mit Konflikten und eine gemeinsame Förderkultur für Kinder mit Beeinträchtigungen oder auffälligem Sozialverhalten sind zentral.

Otfried-Preussler-Schule – eine Schule die uns beeindruckt hat

An der Otfried-Preussler-Schule wurde der Badener Delegation die enge Verzahnung von Unterricht und Betreuung exemplarisch vorgestellt. Hier wird das Betreuungsangebot von einem grossen Sportverein aus Hannover gestellt. Neben den drei Leitungspersonen umfasst die Betreuung rund 40 Mitarbeitende. Es gibt feste Austauschgefässe zwischen Lehrpersonen und Betreuungspersonal, und es finden jährliche gemeinsame Weiterbildungstage statt. Übergänge vom Unterricht in die Betreuung sind bewusst gestaltet, z.B. durch eine «Überlappungszeit», in der Erzieherinnen in der letzten Unterrichtsstunde anwesend sind. Die teilgebundene Ganztagsschule beeindruckt zudem durch ihren innovativen Unterricht. 2020 wurde sie mit dem Deutschen Schulpreis für ihre Arbeit im Bereich Inklusion ausgezeichnet. Im modernen Schulhaus, dem ersten inklusiven Schulgebäude Hannovers, begegnet man sofort Kindern im Rollstuhl oder mit anderen Beeinträchtigungen. Von den über 450 Schülerinnen und Schülern haben 12 Prozent einen spezifischen Förderbedarf. Der Unterricht findet in altersdurchmischten Lerngruppen statt. Obwohl die Klassen mit 23 bis 26 Kindern gross sind, wirkt sich dies weniger belastend aus, da die Schule in sogenannten «Häusern» organisiert ist, in denen jeweils vier bis fünf Klassen eng zusammenarbeiten. Die Schultage sind nicht nach 45-Minuten-Fachlektionen strukturiert, sondern folgen dem Lernrhythmus der Kinder. In der ersten Vormittagshälfte finden Fachinputs wie Deutsch, Mathematik, Kultur und Sport statt. Nach der Pause vertiefen sich die Kinder in der selbstgesteuerten «Lernzeit» und arbeiten mit Materialien in einer differenzierten Lernumgebung. So können sich die Lehrpersonen auf die individuelle Lernbegleitung konzentrieren. Auch das Projektlernen ist ein fester Bestandteil des Unterrichtskonzepts: Die Kinder erlernen dabei Methoden wie Recherchieren, Befragen und Beobachten an konkreten Themen, z.B. der Gestaltung eines Schulgartens. Klassen mit 23 bis 26 Kindern gross sind, wirkt sich dies weniger belastend aus, da die Schule in sogenannten «Häusern» organisiert ist, in denen jeweils vier bis fünf Klassen eng zusammenarbeiten.  Die Schultage sind nicht nach 45-Minuten-Fachlektionen strukturiert, sondern folgen dem Lernrhythmus der Kinder. In der ersten Vormittagshälfte finden Fachinputs wie Deutsch, Mathematik, Kultur und Sport statt. Nach der Pause vertiefen sich die Kinder in der selbstgesteuerten «Lernzeit» und arbeiten mit Materialien in einer differenzierten Lernumgebung. So können sich die Lehrpersonen auf die individuelle Lernbegleitung konzentrieren. Auch das Projektlernen ist ein fester Bestandteil des Unterrichtskonzepts: Die Kinder erlernen dabei Methoden wie Recherchieren, Befragen und Beobachten an konkreten Themen, z.B. der Gestaltung eines Schulgartens. 

Erkenntnisse aus der Bildungsreise

Die Bildungsreise ermöglichte den Badener Schulschaffenden wertvolle Einblicke in das Zusammenspiel von Unterricht und Betreuung. Diese wurden in Gesprächen mit Schulleitungen, Betreuungsträgern, Erzieherinnen und Lehrpersonen vertieft. Das gewählte Setting, fernab vom Arbeitsort, bot zudem den zeitlichen Rahmen, innerhalb des Teams mögliche Konsequenzen für die eigene Entwicklungsperspektive und Führungsarbeit zu diskutieren.

Text von Daniel Jeseneg, Schulleiter Tannegg

Teilen