Vom 2. bis 5. Juni 2024 reiste eine Delegation der Geschäftsleitung Baden und damit auch der Sekundarstufe I nach Hannover und Göttingen, um den Horizont für alternative Schulkonzepte zu erweitern. Dabei stand für die Sek I die Frage im Zentrum, wie Schulentwicklung in einer grossen Schule wie der Burghalde sinnvoll gesteuert und vorangetrieben werden kann. Durch den Besuch dreier innovativen/entwickelten Schulen, konnten neue Impulse gewonnen und zukunftsweisende Ansätze kennengelernt werden.

So tauchten wir also in die Bildungswelt anderer Schulen ein:

Glocksee Schule: Vier Säulen für eine neue Lernkultur

Die Glocksee Schule in Hannover, die Klassen ab der 1. bis zur 10. beschult und inklusiv arbeitet, baut ihr Konzept auf vier zentralen Säulen auf:

Jahrgangsübergreifender Unterricht, der auch die Eltern fordert, denn 75% der Eltern mussten sich zunächst auf das Konzept umstellen.

Lernbüros, die Raum für selbstgesteuertes Arbeiten bieten.

Herausforderung, ein Projektansatz, bei dem Schüler und Schülerinnen eigenverantwortlich Aufgaben angehen. Sie gestalten mehrere Wochen ihrer Schulzeit und stellen sich «ihrer persönlichen Herausforderung»

Verantwortung, die aktiv im Schulalltag übernommen wird.

Bemerkenswert ist, dass die Glocksee Schule auf Noten und Prüfungen komplett verzichtet. Stattdessen beurteilen die Lehrpersonen jeweils 11-12 Schüler und Schülerinnen individuell. Auch Hausaufgaben sind hier ein Fremdwort, der Unterricht ist in Blöcke eingeteilt und endet täglich um 15:30 Uhr. Besonders empfanden wir das familiäre Engagement: Jede Familie kocht fünfmal im Jahr für die Schulgemeinschaft, und ein monatlicher Elternabend bietet Raum für Austausch und Reflexion. Die Schule hat darüber hinaus ein striktes Handyverbot etabliert, das nach einer Einführungszeit nun verankert ist. Das Lehren und Lernen an der Glocksee Schule wird also durch eine durchgehende Verbindung der Lebens- und Lernwelt ausgezeichnet – unterrichtlich wie ausserunterrichtlich. Daher war diese Schule auch für den Schulpreis 2024 nominiert. 

IGS List: Projektorientiertes Lernen und Profilklassen

Die IGS List als Deutscher Schulpreisgewinner 2018 verfolgt ebenfalls einen innovativen Ansatz. Dieser setzt stark auf Verantwortung und Eigeninitiative der Schüler und Schülerinnen . Mit 670 Schüler und Schülerinnen und 80 Lehrpersonen bietet die Schule ein breites Spektrum an Möglichkeiten für Schüler und Schülerinnen ab der 5. Klasse. Die Klassengrössen sind auf 30 Schüler und Schülerinnen beschränkt. In jeder Klasse sind zwei Klassenlehrpersonen tätig. Profilklassen wie Bläser, Chor+Percussion und Forscher erlauben es den Schülern und Schülerinnen, ihre Interessen gezielt zu vertiefen und sich in speziellen Bereichen weiterzuentwickeln.

An der IGS List gibt es keine Pausenglocken – die 80-minütigen Unterrichtseinheiten schaffen einen ruhigen, ununterbrochenen Lernfluss. Das Schuljahr ist zudem durch mehrere Projektwochen geprägt. Die sollen es den Schülern und Schülerinnen ermöglichen, Zusammenhänge zu erkennen und ganzheitlich zu lernen.

Ohne Noten und mit einem klaren Fokus auf Eigenverantwortung setzt die IGS List auf praxisorientiertes Lernen und regelmässige Projektwochen. Ein hohes Mass an Verantwortung wird den Schüler und Schülerinnen durch die Selbstverwaltung von Schulschlüsseln und die Einhaltung von Schulregeln übertragen.  

IGS Göttingen: Gemeinschaftliches Lernen und starke Tutorenrolle

Mit 1.500 Schüler und Schülerinnen und 200 Lehrpersonen verfolgt die IGS Göttingen ein Modell, welches auf starken Jahrgangs- und Tutorengemeinschaften basiert. Lehrpersonen, Schüler und Schülerinnen duzen sich. Sämtliche Entscheidungen werden im Team getroffen. Jeder Schuljahresbeginn und -abschluss erfolgt in Tutoreneinheiten. Jede Lehrperson betreut als Tutor intensiv 10-12 Schüler.

Besonders auffallend ist die Struktur der IGS Göttingen als „viele kleine Schulen in der Schule“. Dies ohne zentralen Lernort und mit einem Handyverbot, das die Geräte im Spind belässt. Noten werden erst ab dem zweiten Semester der 8. Klasse vergeben. Leistungsstarke Schüler und Schülerinnen werden ohne separate Förderung integriert. Der Schultag dauert von 7:50 bis 15:30 Uhr und beinhaltet vier grössere Pausen.

Impulse für die Schulentwicklung an der Burghalde

Diese drei Schulen haben uns gezeigt, wie differenziert Verantwortung, Eigeninitiative und Inklusion gestaltet werden können. Starke Tutorensysteme, die Integration projektorientierter Lernphasen sowie die klare Struktur von Entscheidungsprozessen bieten interessante Ansätze, die auch für unsere Schule betrachtet werden können. Das Konzept der «Schule innerhalb der Schule» hat uns dabei besonders überzeugt.

Die Bildungsreise nach Hannover und Göttingen hat uns inspiriert, neue Denkansätze für eine nachhaltige Schulentwicklung mitzunehmen und darüber nachzudenken, wie solche Ideen in unserer grossen Schule umgesetzt und gesteuert werden könnten – immer mit dem Ziel, unsere Schule als Lern- und Lebensraum für alle Beteiligten weiter zu stärken.

Diese Reise hat uns also nicht nur neue Ideen, sondern auch eine erweiterte Sichtweise auf unsere pädagogische Arbeit geschenkt.

Wir danken an dieser Stelle der Stadt Baden, dass uns diese Reise ermöglicht wurde.

Text von Sarah Keller, Schulleiterin Sek I

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