Wie viele Mäuse frisst ein Fuchs pro Tag, bis er satt ist? Welche Fussabdrücke sind vom Fuchs? Kann ich schnüren wie ein Fuchs? Die Rütihöfler Unterstufenschülerinnen und Schüler sind mit der Waldpädagogin, Sibille Winistörfer, im Wald dem Fuchs auf der Spur. 

Es ist Ranzzeit

Es ist ein kalter Januarmorgen. Wie jeden Montag treffe ich mich mit den Schülerinnen und Schülern der Unterstufe Rütihof auf dem Pausenplatz. Nach unserem Begrüssungslied am Waldrand, erzähle ich den Kindern, dass man zurzeit abends, nachdem es dunkel geworden ist, das Bellen der Füchse in und um Rütihof hören kann. Es ist Ranzzeit! 

Das Vorwissen aktivieren

Auf dem Weg durch den Wald überlegen die Kinder, was sie über den Fuchs wissen. Einige interessante Fakten kommen zusammen: Er ist Einzelgänger, wohnt in einer Höhle, schläft tagsüber, ernährt sich von Mäusen, … «Wie viele Mäuse fängt er an einem Tag?», frage ich. Die Schülerinnen und Schüler raten und sind erstaunt, zu erfahren, dass ein Fuchs zwanzig Mäuse pro Tag benötigt, um satt zu werden.  

Wer hat den Mut, sich dem Fuchsbau zu nähern?

In der Nähe unseres Waldplatzes hat der Fuchs eine Höhle, die wir besuchen wollen. Es erfordert ein wenig Mut, sich dem Fuchsbau zu nähern. In einer Reihe machen wir uns durch das Dornengestrüpp auf den Weg, ich gehe an der Spitze. Plötzlich bleiben die Kinder hinter mir stehen und zeigen auf etwas: « Was liegt da auf dem Baumstrunk?» 

Zusammengerollt liegt ein roter Fellknäuel auf dem Holz. «Ist das ein Fuchs?», flüstern ein paar Kinder. «Kann das sein, mitten am hellen Tag?» «Ist er krank?» Zahlreiche Fragen schwirren in den Köpfen der Kinder. Einige Mutige nähern sich. Der Fuchs bleibt regungslos liegen. «Der ist nicht echt!», beschliessen sie und gehen hin. 

Der Fuchs vor der Höhle ist vor Jahren umgekommen

Nun lüfte ich das Geheimnis: «Es ist mein Fuchsfell, das ich hier hingelegt habe.» 

Nun werde ich mit Fragen regelrecht überhäuft. Ich erkläre, dass mir der Jäger vor Jahren dieses Fell eines Fuchses geschenkt hat, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Fast alle Kinder streicheln nun das Fuchsfell, inspizieren die Pfoten, Schnauze und Nase – alles ist noch vorhanden. Einige sind nach wie vor voller Respekt oder empfinden Mitleid mit dem Fuchs. 

Im Fuchsbau finden die Kinder Spuren des Fuchses

Jetzt schauen wir uns den Fuchsbau an. Obwohl der Bau unbewohnt zu sein scheint, finden wir eine Feder und auch Müll, den der Fuchs hierhergeschleppt hat. 

In die Rolle des Fuchses schlüpfen und so über ihn lernen

Zurück beim Waldplatz erkläre ich die Stationen, die ich in der Frühe vorbereitet habe, damit die Kinder selbst in die Rolle des Fuchses schlüpfen und viel über ihn lernen können. Zum Beispiel, dass der Fuchs schnüren kann. Ein breites Band liegt auf dem Waldboden, auf dem sie ihre Hände und Füße hintereinander setzen und schnürend schleichen können. 

An einer weiteren Station traben die Schülerinnen und Schüler in Kurven durch den Wald, so wie der Fuchs es nachts tut, wenn er auf Beutezug ist. 

Die Kinder machen Fuchssprünge. Schaffen sie es auch, so weit zu springen wie das Eichhörnchen oder das Reh? Die Schülerinnen und Schüler sind begeistert dabei und niemand klagt über die Kälte des Januars. 

Wie unterscheidet man eine Fuchspfote von einer Hundepfote?

Die Kinder lernen, wie man eine Fuchspfote von einer Hundepfote unterscheidet und ordnen Waldtieren ihre Pfotenabdrücke zu. 

Über Kotarten Spuren von Waldtieren erkennen

Auf einem Bild sind verschiedene Kotarten von Waldtieren abgebildet. Der Fuchs hinterlässt seinen Kot immer an gut sichtbaren Stellen, wie auf einem Baumstamm, einem Stein oder einer anderen erhöhten Fläche. Die Kinder suchen geeignete Plätze in der Umgebung und legen dort einen Tannenzapfen hin, der den Fuchskot symbolisiert. 

Spielen ist lernen fürs Leben

Nach dem Znüni darf die Klasse weiterhin Fuchs spielen, ein Fuchsfangnis erfinden, oder in der Nähe nach Fuchsbauten suchen, denn der Fuchs wechselt mehrmals im Jahr seine Höhle. 

Eine grosse Gruppe von Kindern spielt vertieft «Fuchsfamilie». Es ist wunderbar, ihnen aus der Ferne zuzuschauen. Die Zeit vergeht im Flug und meine Flöte kündigt den Heimweg an.  

Jedes Kind hat seinen Baumfreund

Bevor wir aufbrechen, besuchen wir, wie immer zum Schluss des Morgens, unsere Baumfreunde. Heute sind wir dort ganz still. Das gelingt gut, nach so viel Erlebtem. 

Als Naturpädagogin wünsche ich mir, dass einige der Kinder in diesen Januarnächten, vor dem Einschlafen, noch nach dem Bellen der Füchse gelauscht haben. 

Ein Beitrag von Sibille Winistörfer, Waldpädagogin, Lehrerin und schulische Heilpädagogin        

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